Freitag, 23. Juli 2010

Schildkrötenromantik

Zwar bin ich jetzt schon wieder 'ne Weile zurück in the Tokyo City, aber ich war auch mal weg . Und zwar in Okinawa. Also nicht ausschließlich da. Aber das erkläre ich noch. An dem Tag, an dem das Fahrradwunder geschah, kam ich jedenfalls zurück. Die zeitliche Reihenfolge der Geschichten hier entspricht also nicht unbedingt der Realtität. 
Alle die, die bereits die schriftlichen Ergüsse meines mir Angetrauten gelesen haben, dürfen hier aufhören oder weiterlesen, je nachdem. Inhaltlich können auf jeden Fall Ähnlichkeiten auftreten., denn wir waren ja zusammen da und haben somit auch die gleichen Erfahrungen gemacht. In der Natur der Dinge des geschlechtlichen Unterschied liegt, dass meine vielleicht etwas intensiver bzw. extremer waren. Ich denke hierbei an gewisse Lebewesen, die unseren Urlaub mit uns geteilt haben. Und da ich eine Frau bin, habe ich so manchen Besuch eben dieser mit einem leicht hyterisch angehauchtem Geräusch kommentiert. Aber nun erstmal zurück zum Anfang.

Okinawa. Kennen viele nicht. Und das ist vielleicht gut so. Oder auch nicht. Weil so keine touristische Überlaufung. Also. Japan ist lang und dünn und besteht aus vielen kleinen Inseln. Ganz im Süden besteht Japan aus vielen tropischen Paradiesinseln. Die größte davon ist Okinawa. Vielleicht noch am ehesten bekannt durch 
a) Amerikanischen Militärstützpunkt und damit einhergehende Skandale und so weiter und so fort
b) Karate Kid
Mir war Okinawa durch etwas anderes bekannt, aber ich habe es vergessen. Ich habe daher die Reihenfolge umgekehrt und mir nach Okinawa die Karate Kid-Filme angesehen. Ich habe mich allerdings noch nicht zu einer Entscheidung durchringen können, ob ich zu diesen Filmen eine Empfehlung aussprechen soll/kann oder nicht.

Also. Auf jeden Fall um Okinawa herum, oben drüber und unten drunter ist alles voll mit kleinen Inseln. Und drumherum ist nichts als türkises Meer. Und dazwischen fahren Fähren.
Wir haben uns also zwei Wochen zwischen Schule und Arbeit freigenommen, den Lonely Planet Japan gewälzt und schließlich beschlossen, in Okinawa zu landen, dann in den Norden auf die für uns interessantest klingende Insel und dann zurück nach Okinawa und von dort nach Westen auf  Miniinseln zu fahren. Gesagt getan. 
Ich war großer Erwartung. (Tropik. Sonne. Türkis. Einsamkeit....Militärbasen).
Aber irgendwie auch nicht. Weil Okinawa ist halt doch auch Japan. Und ich kenne meine Pappenheimer ja mittlerweile.

Und genau deshalb kann ich hiermit feierlich Beton-Naha präsentieren, die Hauptstadt Okinawas...
















...mit einer mäßig frequentierten Monorail mitten durch die Stadt und von da quasi direkt in den Flughafen rein....


...und dem romantischstem Stadtstrand, den ich jemals gesehen habe. Ein Strand, der für Reiseführer und Stadtbroschüren wohl gerne vom Wasser ins Landes Innere fotografiert wird. Wenn ihr jetzt die Augen schließt und euch Geräusche von Baggern und Presslufthammern und ihren lärmenden Kollegen vorstellt, dann habt ihr die Atmosphäre dieses wunderschönen und so japanisch pragmatisch gestalteten Fleckchen Erdes komplementiert. 

Genießt sie noch einen Augenblick, denn bald wird es sehr viel unentspannter, denn wir entfernen uns vom Beton und...

....nähern uns mit großen Schritten der von uns auserwählten Insel im Norden mit dem reizendem Namen Okinoerabujima. Der Lonely Planet warb mit einer Tropfsteinhöhle, atemberaubenden Stränden und einer Stimmung, die einer Zeitreise gleicht.
Wie recht er damit hatte. Der Franke in mir allerdings hat bei Betreten dieses Eilands diese blumige Beschreibung schnell und präzise in "Hier is' die Katz' gfreckt" umformuliert.
Die Zeitreise begrüßte uns in Gestalt von heruntergekommenen Häusern, 80% Leerstand und Gesichtern, die einen ansahen, als wäre man von einem anderen Planeten. Verständlicherweise. Seit dem Autoren des Lonely Planets wird sich hier wohl kein Tourist mehr hinverirrt haben. Zuvor vermutlich auch nicht.
Wir liehen uns Roller für erschreckend  faszinierend wenig Geld - eine sehr sinnvolle Anschaffung wie sich herausstellte, denn es gab ja fast nichts - und fuhren zum angepriesenen Campingplatz am schönsten Strand der Insel. Dies sollte sich bewahrheiten. Aber auch Tiere haben Geschmack...oder den Lonely Planet gelesen. Und da sich ja seit langer Zeit keine Touristen mehr auf die Insel verirrt haben, haben sich die Tiere zu Dauercampern entwickelt und reagierten ungehalten auf die Störung durch eine fremdartige Spezies. Dies hatte zur Folge, dass ich innerhalb 2 Minuten 25 Moskitostiche, das Zelt innerhalb kürzester Zeit tausende kleiner Raupen, unsere Füße Besuch von Ohrenkneifer-Armeen, unsere Gesichter Gesellschaft von unglaublich riesigen Spinnennetzen mit ebenso riesigen schwarz-neongelben oder springenden oder behaarten oder winzigen Bewohnern hatten. Die Toilettenräume waren von Kakerlaken, Faltern, Ameisen und ihren Freunden besiedelt und jeden Morgen spielten Milliarden von Zikaden ihren Freunden ein pompöses Konzert, das meine Trommelfelle zum Beben brachte, denn die Dezibelzahl dieses Konzerts übertraf die der Stadtstrandautobahnbaustelle um Längen. Dass uns tagsüber und nachts ununterbrochen ein ausgesetztes und hungerndes Kätzchen anmiaute und auch attackierte, nis aber auch nach dem wir ihr etwas zu Essen kauften, war dabei nur noch der Tropfen auf den heißen Stein.

Warum nur hatte ich das Hornissenspray umgetauscht?

Aber der Strand war wirklich schön. Schön und einsam. Alles in allem eine Freakinsel. Denn ich habe den ebenfalls verwaisten anderen Camingplatz vergessen zu erwähnen. Dieser schien irgendwann mal für einen großen Ansturm von Touristen ausgerichtet worden zu sein, begrüßte uns aber nur mit gespenstischer indisch-okinawischer Musikdauerbeschallung per Lautsprecher (Japan!) quer über das Gelände und freakigen halbverlassenen/halb noch in Benutzung befindlicher "Gaststätte".

Um uns endlich loszuwerden, heckten die Tiere einen teuflischen Plan mit einem ganzen Tag tropischen Dauerregen aus. Er fruchtete, wir hatten die Nase voll und schwangen uns wieder auf die Fähre zurück ins betonierte Okinawa. 
Nach einem Tag Militarybase-Watching ging es wie geplant weiter Richtung Westen auf eine Insel Namens Zamami. Und dort setzte sich endlich und augenblicklich das lang erwünschte Urlaubsgefühl bei mir ein. Zwar waren die Gebäude rund um den Hafen nicht unbedingt in einem fitteren Zustand als auf Okinoerabujima, aber die Personenanzahl, die mit uns die Fähre besuchte und verließ, war um einiges höher und nach einer Woche Zwangseinsamkeit freute ich mich über jeden einzelnen Menschen.
Und leider muss ich sagen, kann ich von der Woche auf dieser Insel nicht so viel berichten. Denn der Urlaub war so wie man sich einen richtigen Urlaub vorstellt: man schläft, man sitzt am Strand und stillt den nötigsten Hungertrieb. Wenn dann noch an ded Strand, der genau an den Campingplatz angrenzt, jeden Nachmittag kleine bis riesige Meeresschildkröten kommen, die sich von über ihnen treibenden Schnorchlern nicht im geringsten stören lassen. Und wenn sich dafür am anderen und ebenso wunderschönen Strand der Insel zwei Meter vor dem Strand direkt ein riesiges Korallenriff mit fantastischen Fischvariationen erstreckt. Wenn man dann auch noch mit Kleinbooten auf Nachbarinseln, bewohnt oder unbewohnt, mit ebenso großen Korallengärten direkt davor, fahren kann. Wenn es direkt am Campingplatz eine süße alte Dame gibt, die traditionelles Essen verkauft,  und im Ort ein schönes Café zum vor-der-Hitze-in-den-Schatten-flüchten mit den besten jemals getrunkenen Kokosshakes gibt. Wenn man abends am Lagerfeuer essen, sitzen und mit netten anderen Urlaubern quatschen kann. Dann, ja dann, kann man einfach nicht mehr wollen.
Außer.
Man könnte unter Umständen auf den Besuch einer Handtellergroßen, braunen, behaarten und mit Glitzeraugen versehenen Spinne verzichten, die am Vorabend erschrocken aus der Essenstüte schießt, in die man gerade das Besteck zurückplumpsen lassen wollte, um uns zwei Tage danach nachts im Zelt zu besuchen, dessen Eingänge man leider etwas offen lassen musste, weil man sonst vor Hitze nicht hätte schlafen können. 
Und hier schließt sich der Kreis dann auch wieder: Hätte ich nämlich nicht noch einmal das Licht anmachen müssen, weil ich das Anti-Juck-Mittel gegen die 143 Moskitostiche, die mein Körper auf Okinoerabujima abbekommen hat, zu pflegen, dann hätte ich dieses Monster nicht entdeckt. Und dann wäre es vielleicht nicht nur in der Ecke gesessen und wäre dann vor einer hysterischen Laura und einem heldenhaften Bernhard wieder geflohen, sondern hätte sich vielleicht noch zu mir auf mein Schlafgemach gekuschelt.
Dennoch: dieses kleine japanische Paradies, von dem wir nur einen kleinen Teil gesehen haben, ist schlicht und ergreifend höchst empfehlenswert.















Donnerstag, 22. Juli 2010

Montag, 12. Juli 2010

Sachen gibts...

Prolog:

Eines Tages im April ging ich morgens in den Hof, um mein Fahrrad zu holen, um gemeinsam mit diesem Richtung Shibuya zu radeln. Doch irgendwie fehlte beim Blick in den Hof etwas. Irgendetwas war anders. Aber was? Da kam es mir: da stand nämlich kein Fahrrad. Also zumindest nicht das, was bisher mir gehörte. "Das geht aber doch nicht. Wir sind doch in Japan. Japan ist sicher. In Japan wird nichts geklaut (mal abgesehen von meiner neu erstandenen Winterjacke, dir mir am Abend des Erstehungstages im Club geklaut wurde). Wo ist also dieses Fahrrad?" Ein ominös-verdächtiger Zettel klebte am Sattel des Fahrrads, neben das ich meines am Abend zuvor gestellt hatte...soweit ich mich erinnern konnte.
Ein Wochendende der Hoffnung, dass es sich vielleicht doch nur jemand "ausgeliehen" hat, mir eine Nachricht auf dem Zettel auf dem Nachbarfahrrad hinterlassen hat und es mir wieder zurückbringen wird, verging, bis ich doch einsehen musste, dass das wohl tendenziell eher unwahrscheinlich ist.

Ich ging also zum Koban. Kobans gibt es in jedem Viertel. Mindestens einen, meistens mehr. Meist sind die Häuschen sehr klein. Meist total runtergekommen. Mit vergilbten Wänden und Möbeln. Meist fragt man, obwohl Koban offiziell Polizei ist, doch nur nach dem Weg, weil das Tokyoter Adressensystem selbst für Tokyoter schwer zu verstehen ist. Und deshalb sehen die Koban-Leute auch meist eher gelangweilt, als aktiv aus. Zurecht. Wie gut, dass ich ihnen mit einem Diebstahl frischen Wind in den tristen Arbeitsalltag bringen werde, dachte ich, bis ich auf meine Frage, wie wahrscheinlich es denn wäre, aufgrund des strengen Tokyoter Fahrradregistriersystems mein Fahrrad wieder zurückzubekommen die Antwort: "Najaaaa, ehrlich gesagt eher gering, Fahrräder werden oft geklaut." bekam. Naja. Egal, ich füllte trotzdem Formulare aus und drückte meinen Zeigefinger wie ein Schwerverbrecher auf ein Stempelkissen und anschließend auf das Formular, um meine Angaben zu verifizieren.

Es verging viel Zeit.

Ich lieh mir das sportliche Fahrrad meiner Schwester.
Ich vermisste mein eigenes.
Ich durchstöberte Internetportale mit Gebrachtfahrrädern. Alle Schrott. Oder schon verkauft.
Ich durchstöberte Fahrradläden, aber ich hatte schon einmal viel Geld für ein neues und nicht unbedingt qualitativ herausragendes Rad bezahlt, also viel es mir schwer, das noch einmal zu tun (denn wenig kosten die dennoch nicht).
Schließlich ging ich desillusioniert in einen Gebrauchtwarenladen und kaufte eine alte Mühle für wenig, aber wahrscheinlich immer noch zu viel Geld und freute mich, dass es zumindest eine Gangschaltung hatte.
Dann kam der Segen aus Deutschland und hatte Zeit und Lust Fahrräder zu kaufen und ging an einem Montag Morgen zu einem der Fahrradsammelplätze, wo Fahrräder verkauft werden, die sie eingesammelt haben, danach aber von ihren Besitzern nicht abgeholt wurden.
Danach hatte ich ein eigenes Sportfahrrad und konnte der Schwester das Ihrige wieder zurückgeben.
Aber ich vermisste den Korb an meinem Alten zum Einkaufen.
Die alte Mühle verlieh ich an meinen Nachbarin.

Bis Samstag.

Gestern ging ich mit der Schwester Kaffee trinken. Als wir zurück wollten, erhielt ich einen Anruf der mir sagte: "Kannst du noch eine Dose Tomaten mitbringen?" Konnte ich. Aber dafür musste ich zu einem Supermarkt, den es auf dem Weg zu meiner Wohnung nicht gab. Wir mussten also kurz in die andere Richtung laufen, denn da gab es einen Supermarkt. Ich kaufte Tomaten und wir verließen den Laden. Da erblickte ich in einem der sauteuren Bezahlfahrradständer das Modell des Fahrrads, das ich auch mal besaß, an das ich mich aber nur noch schemenhaft erinnern konnte, aber nach dem ich instinktiv doch immer wieder schaute, wenn ich es erblickte.

Kurze Auflistung der Gedanken, die mir in diesem Moment durch den Kopf gingen:
"Hach, kuck mal. Sieht aus wie mein Rad.,,,,,Mooooch, mein Rad, jaaaa...das war schön damals als wir gemeinsam durch den Großstadtdschungel ritten....Verdächtig hoher Sattel....Verdächtig hoher Lenker....Sehr unjapanisch.......und hahaha, witzig, so einen grünen Aufkleber von der Hausverwaltung, den hatte ich auch mal.....Damals, als ich noch Besitzer von so einem Fahrrad war.....das ist komisch...der Aufkleber ist genauso verknickt, wie meiner damals.....verdammt....DAS IST MEIN RAD" So oder so ähnlich.

Hui, wie aufregend, was mach ich denn jetzt? "Schwester, das ist mein Rad" - "Was? Echt?" - "Ja" - "Krass und jetzt?" -  "Weiß nicht?!" - "Du musst zum Koban, schnell, am End kommt der Dieb wieder und ist nur kurz einkaufen" Daraufhin lief ich ein wenig aufgescheuchtes Huhn-mäßig umher, versuchte die Telefonnummer des nächstgelegenen Koban herauszubekommen, um schließlich doch einfach hinzulaufen, während meine Schwester tollkühn und todesmutig beim Fahrrad blieb, um es zu beschützen.

Als ich dort angekommen war, versuchte dem dort sitzenden und gerade mit Wegbeschreibungen beschäftigten jungen Mann mit schlechtem Japanisch zu erklären, was sich gerade zugetragen hatte. Der junge Mann wechselte seinen Gesichtsausdruck von ungläubig dreinguckend zu "die Alte spinnt doch", erklärte sich aber schließlich bereit, mit mir gemeinsam zum Ort des Verbrechens zu gehen. Bis dahin hatte er ellenlange Salven von unverständlichem und extrem schnellen Japanisch über mich ergossen, von dem ich geschätzte 2,3% verstanden habe. Es ist immer wieder schön, sich dumm zu fühlen.

Egal, wir erreichten das Fahrrad und die Schwester und diese übernahm glücklicherweise die folgende Konversation. Oder vielleicht eher die folgenden Konversationen. Denn die Sache stellte sich als lange und umständlich heraus. Als erstes versuchte mich der Polizist davon zu überzeugen, dass ich doch das Formular bräuchte, dass ich damals bekommen habe, als ich es registirieren hatte lassen. Das hatte ich natürlich nicht dabei. Wieso auch. Wenn sie einen nachts vom Fahrrad holen und kontrollieren, ob dieses auch wirklich auf dich angemeldet ist, brauchen sie das auch nicht, da nehmen sie deinen Ausweis und rufen irgendwo an und die sagen dann: "Das gehört einer raura kuma" und dann schauen sie auf deinen Ausweis und stellen fest, dass du das bist und dann darfst du weiterfahren. Aber jetzt war dieses Formular plötzlich ungedingt und dringend notwendig. Naja. 

Er rief dann doch irgendwann bei dieser Zentrale an und meine Schwester teilte mir derweil mit, dass sich die Kosten für den Fahrradständer mittlerweile auf 18.000 Yen belaufen hätten, weswegen die Wahrscheinlichkeit, dass der Fahrraddieb von einem kurzen Einkauf zurückkommen könnte ziemlich gegen null ging.
Da legte er auf und sagte: "Ja, also, das ist tatsächlich ihr Fahrrad". Ach was. Daraufhin meine Schwester: "Ja und jetzt? Das hat sich ja mittlerweile auf 18.000 Yen belaufen" Er: "Also ich kann Ihnen da ja jetzt nicht weiterhelfen, ich bin ja nicht von der Fahrradständerfirma. Aber am besten kommen Sie jetzt mit in meine Schrottbude (gut, das hat er natürlich nicht gesagt) um die Diebstahlmeldung rückgängig zu machen". Meine Schwester: "Ja und dann? Dann zahlen wir 18.000Yen? Das Fahrrad selbst hat doch nur 25.000Yen gekostet!" Er: "Ja, da kann ich Ihnen jetzt auch nicht helfen" Schwester: "Also gut, dann ruf ICH jetzt die Fahrradständerfirma an und frage die, was man da machen kann. Aber Sie müssen schon da bleiben und das Ganze bestätigen, sonst glauben die mir doch nicht" (Die Nummer stand in großen roten Zahlen auf weißem Grund über dem Bezahlautomaten. Warum Herr Koban nicht selbst dazu in der Lage war darauf zu kommen, diese zu wählen und den Sachverhalt zu erläutern, fragte ich mich während ich das mittlerweile quengelnde Kind schaukelte. Was ich ohne meine Schwester gemacht hätte, fragte ich mich auch, denn das Tempo und die Wortwahl des Kobanmannes hatte sich nicht im geringsten an mein Niveau angepasst. Und in genau diesem Tempo und mit dieser Wortwahl teilte er uns dann mit, nachdem er es geschafft hatte, der Firma zu bestätigen, dass wir uns das alles nicht ausgedacht haben, weil wir eigentlich nur 18.000 Yen "Zeche prellen" wollen, dass wir jetzt 20-30 Minuten warten müssten, bis ein Mitarbeiter käme, um das Fahrrad freizuschalten.

Daheim blubberte seit Stunden die Bolognese im Topf (zum Glück ist das dieser Soße sogar zuträglich, aber es fehlte die Dose Tomaten, die sich da auch noch gerne mit eingekocht hätte, denn die war ja noch in meiner Tasche), ich musste seit dem Verlassen des Cafés auf's Klo und die Ganze Prozedur zog sich aufgrund des nicht unbedingt fähig wirkenden Polizeibeamten schon seit einiger Weile hin. 

Aber es ging ja um mein Fahrrad.

Und daher warteten wir und wurden mit einem sehr schnell eintreffenden Mitarbeiter belohnt.

Was dann kam:
Ich nahm das Fahrrad vorn und schob. Mein Freund, der Kobanmann hielt hinten hoch und schob auch, irgendwann schnaubte und atmete er laut, denn zur körperlichen Fitness trägt das Weg-Erklären wohl nicht unbedingt bei.
Er redete schnell und unverständlich auf mich ein. Ich tat so, als würde ich ihn verstehen, verwünschte ihn aber innerlich.
Im Koban angekommen waren plötzlich drei weitere Beamten da, die ganz aufgeregt und angetan ob dieser interessanten Abwechslung waren, denn nach dem Weg zu Restaurants fragende Quiekjapanerinnen wurden sogar kurz vertröstet.
Wir wurden auf Klappstühle gesetzt und zum Warten verdonnert.
Eine Ausländerin fand diesen Anblick wohl so absonderlich, dass sie dachte, wir wären in Schwierigkeiten. Sie kam daher kurz hinein und fragte uns ob alles ok sei und ob sie für uns übersetzen solle. Nachdem wir dankend ablehnten, stellte sie noch kurz eine äußerst dumme Wegbeschreibungsfrage ("Wo ist der Okubo Bahnhof.......ahh, einfach geradeaus, danke") und ging dann weiter ihres Weges.
Der unfähige Kobanbeamte kam mit fünf Formularen wieder, von denen keines zu passen schien (dieser Fall scheint wohl eher selten vorzukommen), von denen er keines ausfüllte, sondern nur draufstarrte bis einer der drei anderen mit weiteren drei möglichen anderen Formularen kam. 
Der unfähige Kobanbeamte entschied, erstmal irgendwo viel herumzutelefonieren, um herauszubekommen, welches der nicht passenden Formulare am wenigsten nicht passend ist.
Der älteste und fähigst wirkende Kobanbeamte wollte wissen, ob wir einen Schlüssel hätten und nachdem wir verneinten, erhellte sich seine Miene bei folgender Frage: "Darf ich das Schloss aufbrechen" - "Oh ja bitte".
Er verschwand daraufhin und kam kurze Zeit darauf mit zwei Schraubenschlüsseln, einem Brecheisen und einem großen Hammer sowie einem noch zufriedeneren Gesichtsausdruck zurück und machte sich sofort ans Werk.
Der unfähige Kobanbeamte blätterte derweilen noch immer in nicht passenden Formularen und telefonierte ab und an mal.
Die zwei anderen Beamten standen geschäftig nichtstuend herum und unterbrachen die Warterei hie und da mal mit der Frage, ob das Fax schon piii piii gemacht hätte. 
(Das sollte wohl heißen, ob ein Fax schon angekommen sei. Wir erfuhren, dass sie das Fax aus dem Koban erwarteten, in dem ich das Rad als gestohlen gemeldet hatte. Dieser Koban ist wohlgemerkt nicht mal am anderen Ende der Straße. Aber wenn schon mal was los ist, kann man die Chance auch gleich mal nützen und das Fax mal wieder in Betrieb nehmen).
Von draußen vernahmen wir Hämmern, Klopfen und Geräusche von splitterndem Metall.
Das Kind quengelte.
Der unfähige Kobanbeamte blätterte.
Meine Blase drückte.
Das Schloss zerspang in Einzelteile, das Fahrrad war befreit.

Da.
Endlich.
Ein Anruf hatte dem unfähigen Kobanbeamten offensichtlich Aufschluss gebracht.

Er füllte plötzlich eines der Formulare aus. Aber natürlich langsam und mit äußerster Bedacht. Ich musste dann auch noch etwas eintragen. Natürlich in mir unbekannten Kanjis, was natürlich zu einem Schreibfehler fühlte, was wiederum dazu führte, dass ich alles noch einmal schreiben musste, weil Ordnung muss sein. 

Und dann - juhu - wurde mir ein Stempelkissen hingestellt und ich musste wieder mit Fingerabdrücken verifizieren. Dann strich der unfähige Kobanbeamte noch einiges auf dem Formular durch, weil es passte ja nicht so richtig, und diese Durchstreichungen musste ich ebenfalls mit meinem Fingerabdruck bedrucken. Ich wurde schon etwas übermütig und stempelte wild drauf los und entging nur knapp dem "alles noch einmal neu machen, weil Ordnung muss sein", aber ich hatte Glück. Das Papier war schwarz gepunktet. Lesen konnte man nicht mehr viel, aber ich hatte endlich auch ein bisschen Spaß gehabt (denn zu diesem Zeitpunkt waren undgefähr zwei Stunden vergangen). Und sämtliche Kobanbeamte, sogar auch der Unfähige, schienen sehr glücklich zu sein, denn ENDLICH war mal was los. Auch wenn der ein oder andere ein wenig überfordert zu sein schien mit diesem seltenen Kriminalfall.

Schluss: 

Ich bin jetzt auch glücklich. Ich besitze jetzt nämlich drei Räder.

Sonntag, 27. Juni 2010

Dumm

Hier eine kleine Anekdote aus dem Bereich "Peinlichkeiten des Alltags":
Letzte Woche gingen wir in einen Outdoorladen, um nicht nur Outdoorprodukte zu kaufen sondern auch ein Mittel gegen Insekten. Japanisches Autan. Oder so.
Neben dem Aufzug auf dem Weg nach unten erblickten wir ein Regal mit ebensolchen Produkten. Es gab da eine große Spraydose in schwarz-gelb mit roten Deckel und Insekt drauf sowie aggressiver Bedruckung, eine kleine Spraydose in weiß mit einer niedlichen Comicstechmücke und eine noch kleinere weiße Spraydose mit blauer Aufschrift, die folgendes Kanji: 虫 zeigte, was im Übrigen Insekt heißt und das wiederum heißt "mushi" (jetzt dürfen alle kurz lachen).

Ich -bereits nicht unerheblich zerstochen und mit angestautem Ärger gegen japanische Stechmücken in Urteilsfhähigkeit und einigem mehr eingeschränkt- und mein Begleiter -nicht zerstochen, aber der japanischen Schriftsprache nicht mächtig und daher mir die Entscheidung überlassend- griffen zur GRÖßTEN und AGRESSIVSTEN wirkenden Dose. Mehr und viel und fies ist am besten gegen dieses Tier. Wir zahlten nicht wenig, weil hier ja selten etwas wenig kostet und verließen mit stolz geschwellter Brust weil den ersten Sieg im Kampf gegen die japanischeS Stechmücke im Allgemeinen und Besonderen witternd, das Geschäft.

Zu Hause nahm ich das Kampfgerät noch einmal in Augenschein. Ich muss zugeben, nur weil ich wissen wollte, wie das Mittel gegen dieses widerliche Tier in diesem Land wohl riechen mag.....da kam mir das schwarz-gelb gestreifte Design zum ersten Mal ein wenig komisch vor. Ich nahm mir also mein elektronisches Übersetzungsgerät zu Hilfe und gab mal die groß leuchtende, agressive weiß-rot gedruckte Überschrift ein.
Das elektronische Übersetzungsgerät zeigte mir folgendes:

スズメバチ - Hornisse

Plötzlich machte das scharz-gelb-gestreifte Design der Dose ziemlichen Sinn. Plötzlich auch die zahlreichen "Achtung", "gefährlich" usw. Aufschriften. Auch das abgedruckte Tier hatte plötzlich keinerlei Ähnlichkeit mehr mit einer Stechmücke, dafür aber sehr große mit einer Hornisse. Plötzlich fiel mir auch das gar nicht so selten abgedruckte Kanji für "töten" auf. Und die Aufschrift, die "3m" beinhaltete, machte auch Sinn. Sie sagte nämlich: "sprüht mit großer Kraft bis zu 3m".

Heute haben wir die Dose gegen die mit der niedlichen Comicstechmücke umgetauscht. Und ich bin froh, dass wir nicht versucht haben, uns mit einem Spray zu besprühen, das mit großer Kraft in bis zu 3m Entfernung töten kann.


Samstag, 19. Juni 2010

Hashima
















Ich hatte einen Wunsch. Der hieß: "Ich will Hashima/Gunkanjima/die Schlachtschiffinsel sehen". Und weil wir im Mai eine Exkursion nach Kyushu, eine der südlichen Inseln Japans gemacht haben, konnte ich mir diesen auch endlich erfüllen, indem ich mich heimlich davongestohlen habe, auf einen Bus nach Nagasaki aufgesprungen bin und mich dann in einer wilden Nacht- und Nebelaktion schwer bewaffnet und getarnt bis zu meinem Zielort durchgeschlagen habe. So oder so ähnlich. Aber nun trotzdem erstmal zurück zum Anfang. Weil was ist bitte "Hashima/Gunkanjima/die Schlachtschiffinsel"?

Vor langer Zeit haben mein Nachbar und ich festgestellt, dass wir beide eine gemeinsame Vorliebe haben: Verlassene Orte und ihre Geschichten
Irgendwann schickte er mir dann einen link zu einem Artikel mit einer Fotostrecke von Hashima/Gunkanjima/die Schlachtschiffinsel und seitdem war ich Feuer und Flamme.
Die Fotos, die mich auf den Geschmack gebracht haben, finden sich unter anderem unter diesem link
( http://dailylinked.blogspot.com/2009/01/islands-of-hashima-japan-pics.html   )Weil ich keine Ahnung von Foto- und Veröffentlichungsrechten habe, kopiere ich sie vorsichtshalber nicht hier hinein.

Hashima/Gunkanjima/die Schlachtschiffinsel- ich schreib das so blöd, weil ich bei diesem Trip dauernd mit folgender Konversation konfrontiert war: "ich würde gerne nach Hashima" - "wohin?" - "nach Hashima" - "ah, nach Gunkanjima" - "ja, auch gut, hauptsache ich komm da hin" Allerdings nervte das Gespräch irgendwann insofern ein wenig, dass ich ihm gerne ausgewichen wäre, indem ich sofort das Wort "Gunkanjima" verwendet hätte. Leider konnte ich es mir zu dem Zeitpunkt, trotz 100maliger Vorsagung partout nicht merken. Wie auch immer. Ab jetzt werde ich Hashima schreiben, denn so hieß sie wohl ursprünglich.

Also. Auf Hashima wurde vor allem in den 60er Jahren vom Mitsubishi Konzern beauftragt aus dem Meer heraus Kohle gefördert. Da sehr viel benötigt wurde und dort wohl auch sehr viel vorhanden war, hatte dies zur Folge, dass in der Hochphase mehrere tausend Menschen auf dieser winzigen Insel gelebt haben. Dies wiederum hatte zur Folge, dass man nicht nur durch Aufschüttungen versuchte hat, die Insel ein bisschen größer zu machen, sondern auch die ersten Stahlbetongebäude der Welt dort errichtet hat, um möglichst viele Menschen auf einmal unter zu bringen. Zeitweise galt die Insel daher auch als das Musterbeispiel für modernen japanischen Städtebau und der dichtbesiedeltste Ort der Welt. Die Wohnungen waren winzig, Privatsphäre gab es kaum, aber der Lebensstandard war - vermutlich als eine Art Ausgleich - im Vergleich zum restlichen Japan extrem hoch. Beinahe jeder hatte damals zum Beispiel schon Kühlschrank und Fernseher. Als jedoch die Nachfrage nach Kohle irgendwann sank, hat Mitsubishi beschlossen, die Kohleförderung einzustellen und mit Festanstellungen auf dem Festland geworben für alle die, die am schnellsten in Nagasaki wären. Daher haben viele Familien geradezu fluchtartig ihre Wohnungen verlassen und in genau diesem Zustand befindet sich die Insel seit den 70er Jahren. Taifune und starke Wellen taten dann den Rest um der Insel ihr momentanes Erscheinungsbild zu verleihen.
Seit, ein oder zwei Jahren hat die Stadt Nagasaki beschlossen, die Insel doch für Touristen zu öffnen. Seitdem gibt es nun geführte Touren entweder mit dem Schiff um die Insel und bei gutem Wetter auf die Insel. Dass so einer Tour der nötige Abenteuercharakter fehlt, der so einen Ort so interessant macht, war mir zwar klar. Aber da ich schlecht mit brockenhaftem Japanisch einen ortsansässigen Fischer bestechen kann, mich in einer Nacht- und Nebelaktion auf die Insel zu bringen ("biete deutsche Wurst gegen Gesetzesbruch"-zugegebenermaßen ein etwas ungleicher Deal), musste ich mich wohl oder übel fügen und sah mich also mit 100 Japanern und keinem einzigen weiteren Ausländer auf einem Schiff, von dem stundenlange, schrille und viel zu laute Durchsagen über die Insel, über das, was wir auf der Insel nicht dürfen und überhaupt, was man sowieso und eh nicht tun darf aus einem schnatternden Lautsprecher direkt in mein linkes Ohr schallte. Aber als dann dieses kaputte Kriegsschiff dennoch majestätisch und so heiß erwartet aus dem Meer aufragte, war all der Ärger über schrille Ansagen vergessen...
...bis wir  bunte Kärtchen um den Hals gehängt bekamen, die uns in Gruppen aufteilten und auf einen feinsäuberlich neu betonierten Steg getrieben wurden, der von blinkenden, neuen Stahlgeländern umgeben war. Dann wurden wir in den Gruppen zusammengestellt und ein älterer Mann erzählte wieder irgendetwas durch ein schnatterndes Mikrofon wobei er Din A4 große in Plastikhüllen eingepackte Zeitungsausschnitte von früher zeigte. Sehen konnte ich das nur, weil ich mich doch irgendwann mal etwas nach vorne gedrängelt habe. Diese Prozedur passierte an drei Stellen eines ungefähr 100m langen Betonpfades, der von Schutt umgeben war, aber von den wirklich interessanten Gebäuden leider viel zu weit entfernt war.
Und dann ging's wieder zurück auf's Schiff.
Ich muss sagen, mein Abenteurerherz blutete da schon ein wenig. Und wenn ich mich nicht auf dem schnellsten Weg wieder zurück nach Tokyo hätte machen müssen, hätte ich ernsthaft doch noch einmal über die Bestechung eines Fischers mit Wurst nachgedacht.
So habe ich mich aber ein wenig enttäuscht, aber trotzdem mit Herzklopfen, weil ich endlich diesen faszinierenden Flecken Erde live gesehen habe, wieder auf den Heimweg gemacht.

Die Fotos, die ich bei der Umrundung mit dem Schiff und beim 15 minütigen Spaziergang machen konnte, füge ich hier ein. Aber ich kann wirklich nur empfehlen entweder auf die links hier zu klicken oder mal nach Hashima zu googeln. Denn es gab schon beneidenswerte Menschen, die in die Gebäude (trotz mehr als lebensbedrohlicher Lebensgefahr weil wegen lebensbedrohlicher Einsturzgefahr - laut Nagasaki) und so dort wunderschön gruselige faszinierende Fotos schießen konnten.

http://www.youtube.com/watch?v=fp97FUlSdqI
http://www.youtube.com/watch?v=fp97FUlSdqI&feature=related
http://de.wikipedia.org/wiki/Hashima_%28Insel%29


































































Aber sollte ich doch noch einmal nach Nagasaki kommen, werde ich auf jeden Fall - nur vorsichtshalber - viel Wurst mitnehmen. Man darf nie aufgeben.....

Montag, 14. Juni 2010

Hong Kong





















Lange habe ich nicht geschrieben. Viel ist passiert. Ein Zusammenhang ist hierbei nicht ausgeschlossen oder sogar sehr gut möglich.

Eine Sache unter den Viel-Passierten ist ein Kurztrip nach Hong Kong. Für mich das erste asiatische Land außer Japan. Und obwohl es nicht wirklich weit entfernt ist, war es sehr aufregend anders. Vor allem aber war es aufregend zu bemerken, wie stark ich schon durch meine lange Zeit in Japan beeinflusst bin. Positiv wie negativ gesehen.Positiv ist mir hierbei einmal mehr bewusst geworden, wie unfassbar sauber Tokyo in Anbetracht seiner Größe und Bewohnerzahl ist. Und das überall. Und das manchmal sogar fast schon steril. Manchmal ist das schade, aber oft natürlich auch sehr angenehm.

Hong Kong dagegen ist nicht so sauber und somit eine sehr wilde Mischung von arm und reich, dreckig, stinkig, laut, Käfigwohntürmen, unfassbarem Smog, regem Handel auf dem Meer, Europa und Asien und blitzsauber, wunderschön durchdesignt und Ruhe pur mitten in der Natur, die sich urplötzlich in Form eines undurchdringlichen Urwaldes direkt hinter der Stadt auftut. Überhaupt bahnt sich die Natur überall ein bisschen ihren Weg. Zwischen, mitten, in, auf, vor und an den Fassaden der Käfigwohntürme finden sich Pflanzen oder wachsen kleine Bäume.

In Tokyo findet dies auch statt, aber wesentlich geregelter. Natürlich. Tokyo ist ja Japan. Dass die Pflanzen nicht von uniformierten, Leuchtstabbewaffneten Aufpasserwinkern an ihren Wachsplatz eingewiesen werden, wundert mich sogar ein bisschen.


In der Ubahn wird geredet, Leute fassen sich an, kleinere und größere Gruppen unterhalten sich laut und lachen egal wo, egal zu welcher Tageszeit auch ohne Alkoholeinfluss. Komischerweise schreien sie sich oft an. Manchmal hatte ich das Gefühl, Hong Kong-Chinesen unterhalten sich am liebsten über weite Entfernungen, weil sie dann schreien können. Wenn man also einen schreienden Chinesen sieht, kann man sich fast sicher sein, dass der Schrei(-Gesprächs-)partner die am weitesten entfernte Person ist.

Das ist in Tokyo anders. Da wird natürlich nicht geschrien. Allerdings quäkt man da wie ein Hundespielzeug, auf das man versehentlich drauf getreten ist. Ob das so viel besser ist, weiß ich nicht.

Die Menschen auf der Straße nehmen sich gegenseitig wahr und lachen sich an, auch bei kleineren Zusammenstößen und Anrempelungen.
In Tokyo fast undenkbar. Wenn man jemanden anrempelt, muss man den Kopf senken und den Schritt beschleunigen, sonst könnte derjenige ja merken, dass man der war, der ihn angerempelt hat.

An das alles und natürlich an die Freude am Schreien musste ich mich erstmal (wieder) gewöhnen so lange habe ich es nicht mehr mitbekommen. Anfangs empfand ich es sogar als störend, obwohl es doch eigentlich ganz normal ist, vom Schreien mal abgesehen.

Für mich war die Stadt aber vor allem durch ihre europäisch-chinesische-Geschichte sehr spannend, in Hong Kong der englische Einfluss - in Macau der portugiesische. Mitten im tiefsten Asien. Am faszinierendsten, gleichzeitig aber auch am schockierendsten waren die Käfigwohntürme, die für noch höhere Mieten als in Tokyo noch weniger Wohnqualität bieten. Sie haben mich ständig wie in einem Endzeitfilm fühlen lassen. Vor allem nachts wenn sie die Neonlichter aus den Wohnungen partiell in schummriges, unheimliches Licht tauchen. Die Stimmung und das Aussehen dieser Häuser lassen einen fühlen wie im Ghetto und denken, dass bestimmt wilde Geldwäsche-, Prostitutions- oder Drogengeschichten hinter den Fenstern von statten gehen. In Realtität sitzt aber wahrscheinlich einfach nur eine kleine Familie um den Tisch und isst Reis. Schon sehr befremdlich.



























Aber positiv faszinierend waren das satte Grün der mächtigen Natur und die Nähe des Meeres, auf dem zu jeder Tages- und Nachtzeit ein Gewusel an verschieden großen Schiffen einem den weltweiten Handel und somit das Zusammenrücken unserer Welt deutlich macht. Wenn man dann abends am Hafen sitzt und die Lichtshow der Hochhäuser auf der gegenüberliegenden Seite betrachtet während vor einem alte, ebenfalls wunderschön beleuchtete chinesische Schiffe vorbeifahren, kann man schon sehr sentimental werden.

...und sich fragen, warum Tokyo es nicht geschafft hat, diese Fasziniation des Meeres an irgendeiner Stelle der Stadt hervorzuheben, anstelle alles mit hässlichen Lagerhallen vollzupflastern, was sich irgendwie in Meeresnähe befindet.

Hong Kong 





















Das berühmte Jumbo Floating Restaurant von vorne und hinten. Gut, dass das deutsche Ordnungsamt hier nie vorbeikommen wird.


Eines der typischen Fischerboote, auf denen viele auch wohnen



















...und sein Interior Design













































































U-Bahn-Sterilität









































Beautiful Smog-Watch



















Typisches Straßenbild

Macau:










Laden für Eier und vor allem Eidotter in jeglicher Variation. Ich hab auf's Probieren verzichtet, nachdem ich gesehen habe, wie ein Kleinbus stundenlang seine Abgase den zum Trocknen ausgelegten Dottern geschenkt hat.


Hallo Katzenbaby